Drum prüfe, was ewig hält

„Liebe geht durch den Magen“ verspricht der Volksmund. Dass die Liebe oft schneller als nötig vorbei ist, beweisen aktuelle Zahlen: Etwa ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel landet in der Tonne. Das bedeutet, dass unnötig Ressourcen verschwendet und CO₂ produziert wird. Damit weniger weggeworfen wird, will die Europäische Union jetzt das Mindesthaltbarkeitsdatum für einige Lebensmittel abschaffen. Es werde oftmals mit dem „Verbrauchsdatum“ für leicht Verderbliches verwechselt, sei aber lediglich eine Qualitätsgarantie des Herstellers. Mit welchen Lebensmitteln können wir wirklich den Bund fürs Leben schließen? Und wie hält man die Beziehung länger frisch?

Die ultimativen Partner
Es gibt sie – die Lebensmittel, die ein ganzes Leben halten:

Zäher Verehrer
Honig wird vielleicht etwas körnig bis kristallin, schlecht aber nie. Im Härtefall einfach in
ein warmes Wasserbad stellen, dann wird er schnell wieder streichzart.

Treuer Begleiter
Weißer Reis – trocken und luftdicht aufbewahrt – altert nicht. Brauner Reis macht allerdings wegen seines Fettgehalts nicht ewig mit.

Ewige Verführer
Zucker bleibt ein lieblicher Angetrauter, solange man ihm ein trockenes Plätzchen einrichtet. Kumpel Ahornsirup hingegen zieht es für lange Lebensabschnitte in kühlere Gefilde. Lebenslanger Verehrer bleibt er im Gefrierfach.

Verbindlicher Kraftprotz
Maisstärke ist und bleibt ein fester Partner für Soßen, Kuchen, Pudding.
Ist eben ein ewiges Binde-Mittel.

Gärende Lüstlinge
Weißweinessig und Schnaps vergehen nicht. Essig braucht aber eine dunkle, kühle Lagerung.

Trockener Allrounder
Salz kann nichts etwas anhaben.

Der zweite Versuch
Mit manchen Lebensmitteln lässt sich alte Liebe neu entfachen:

  • Nudeln werden zu Salat.
  • Hartes Brot wird klein gewürfelt zu Salat- Croûtons oder einem Knabbersnack.
  • Weiches Obst mit braunen Stellen lässt sich gut verbacken oder pürieren.
  • Gemüsereste ergeben Aufstrich oder eine Brühe, die man noch einfrieren kann.

Und Appschauen …
kann man sich das alles auch bei prominenten Beispielen. Sarah Wiener, Johann Lafer,

Daniel Brühl und andere verraten regelmäßig neue Rezepte sowie Tipps zum Einkauf, zur richtigen Aufbewahrung, Haltbarkeit und Verwertung von Lebensmitteln.

www.zugutfuerdietonne.de/app

Die Freundschaft
Auch aus alten Gewächsen können durchaus neue Triebe sprießen:

Sich wieder entdecken
Wenn man den unteren Rest von Frühlings­zwiebeln, Lauch und Zitronengras mit der Wurzel ins Wasser stellt, wächst ein neuer Trieb. Auch Knoblauchtriebe und Fenchelkraut kann man auf diese Weise hochziehen.

Der Bindung neue Kraft verleihen
Römersalat, Kohl und Stangensellerie kommen wieder – wenn man ihren Strunk in Wasser legt. Mit etwas Geduld treiben sie. In die Erde gesetzt, kann man sie nach mehreren Wochen ernten.

Junge Triebe heranzüchten
Die Triebe des Ingwers kann man abbrechen und in die Erde setzen. Nach einigen Monaten kann man die Ingwerknolle ausgraben.

Sich neu verwurzeln
Wenn man in das obere Stück der Karotte Zahnstocher hineinsteckt und es auf ein Glas legt, sodass es gerade so das Wasser erreicht, bilden sich Wurzeln und Kraut. Diese Pflanze kann in die Erde gesetzt werden. Bis aus Wurzeln Gemüse wird, braucht es etwas Geduld. Das Grün gibt ein gutes Würzmittel. Einfach waschen, klein hacken und einfrieren. Sowieso halten sich Karotten länger frisch, wenn man das Grünzeug entfernt. Das gilt übrigens auch für Kohlrabi, Radieschen, Fenchel und Sellerie.

Die abschnittsgefährten
Mit ein paar Haltbarkeitstipps bleibt auch die kurze Liebe frisch:

Nur top mit Deckel:
Schön kühl mögen es Käse und Wurst. Beide liegen gern in geschlossenen Boxen. Käse lässt sich von zwei Stücken Würfelzucker vor Feuchtigkeit schützen. Noch unangetastet, hält sich Schnittkäse bis zu zwei Wochen, Hartkäse über ein Jahr nach Mindesthalt-barkeitsdatum, Wurst mehrere Tage.

Für Gesundheit sorgen:
Wurst, Salat oder Zitrusfrüchte reagieren gegenüber Alufolie mit Schimmelbefall.

Gut zudecken:
Brot sollte mit der Schnittkante nach unten im Brotkasten oder in einem Tontopf aufbewahrt werden. Papiertüten nehmen ihm Feuchtigkeit, es liebt die Variante aus Leinen.

Lieblingsorte schaffen:
Fisch und Fleisch liegen gern in einem Behälter – und das im kühlsten Bereich des Kühlschranks: über dem Gemüsefach.

Vor Feinden schützen:
Die frischen Kollegen Obst und Gemüse sind nicht immer so gut befreundet, wie man denkt. Einige Sorten, darunter Äpfel, Aprikosen, Avocados, Bananen, Birnen, Kiwis, Mangos, Nektarinen, Pflaumen, Pfirsiche und Tomaten, geben Ethylen ab, ein Gas, das den Reifeprozess beschleunigt. Ethylen-empfindliche Obst- und Gemüsesorten verderben dadurch schneller, also lieber nicht nebeneinander lagern. Südfrüchte brauchen mindestens Zimmertemperatur. Auch Auberginen, Avocados, Basilikum, Gurken, Kartoffeln, Knoblauch, Kürbisse, Tomaten, Zucchini, Zwiebeln sind kälte­empfindlich und gehören daher nicht in den Kühlschrank.

Auch knochenstarke Typen beschützen:
Milchprodukte wie Jogurt, Quark und H-Milch bleiben auf Höhe des mittleren Kühlschrankfaches auch noch Wochen nach Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums genießbar.

Blind Dates ausmachen:
Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln mögen  dunkle Keller oder Töpfe.

Illustration Juliane Filep

Schlagworte des Artikels
, ,