Drück mich

Überirdisch Das erste komplette Menü der Raumfahrtgeschichte wurde am 6. August 1961 in Tuben gereicht: Der russische Kosmonaut German Titow drückte sich pürierte Gemüsesuppe, Leberpastete und Schwarzen-Johannisbeer-Saft in den Mund.

Genau genommen Das Wort Tube kommt vom lateinischen „tubus“, die Röhre. Am einfachsten lässt sich diese Röhre verschließen, indem man sie hinten überlappend verschweißt. Weil in diesen Zeiten jedes Fitzelchen Material zählt, versiegelt der deutsche Tubenhersteller Linhardt die Tube jetzt Stoß an Stoß mit einem hauchdünnen Tape.

Guter Punkt Mit der Tube wird die Malerei revolutioniert, nachdem jahrhundertelang die Farben höchst aufwändig im Atelier hergestellt wurden. Die synthetischen Tubenfarben erweitern das Spektrum der Palette und ermöglichen den Malern des Impressionismus ein bislang ungekanntes Flimmern und Flirren auf der Leinwand. „Ohne die Tube hätte es weder einen Cézanne noch einen Manet gegeben“, sagte einst Auguste Renoir, „auch nicht den Impressionismus.“

Am Anfang Der amerikanische Maler John Goffe Rand hatte ein Problem: Seine Farben trockneten ihm auf der Palette zu schnell ein. Er formt mit einer Handpresse ein Stück Blei, befüllt es mit Farbe und versieht es mit einem Gewinde. 1841 meldet er das Patent auf die erste Tube der Welt an.

Hülle mit Fülle Im 19. Jahrhundert füllten Apotheker Zahncreme in Zinntuben. Ab 1920 bestehen diese dann schon aus Aluminium. In den 50er-Jahren kamen die ersten Kunststofftuben auf den Markt, die beim Drücken nicht so leicht aus der Form geraten. Diese sind zwar leicht, dicht und stabil – aber auch auf Basis fossilen Erdöls. Mittlerweile experimentieren Firmen mit Biokunststoffen. Ein deutscher Hersteller hat sogar gerade eine Tube entwickelt, die zur Hälfte aus Papier besteht. Wenn die Tube fix und fertig ist, kommt sie in die Wertstofftonne. Metalltuben kommen von dort in das stoffliche Recycling, das heißt, das Material wird wieder in den Kreislauf aufgenommen. Plastiktuben sind allerdings meistens aus Mischkunststoff und können nicht wiederverwertet werden, sondern landen in der thermischen Verwertung.

Kühler Kick Die „Tube des Jahres“ war im vergangenen Jahr eine Kunststofftube der französischen Kosmetikfirma Albéa. An ihrer Spitze sitzen nämlich kleine Metall-
kugeln, die sparsam die Creme herauslassen und in die Haut hineinreiben. Laut Jury erzeugen die Metallkugeln außerdem „ein angenehm kühles Gefühl“.