Die Prophezeihungen der Djinns

Der Fotograf Fabrice Monteiro lässt die Kinder der Erde zu mahnenden Müllmonstern auferstehen.

Sie erheben sich aus der Tiefe des Ozeans, aus den Weiten der Savanne, aus den Trümmern der Zivi­lisation. Mystische Gestalten, gehüllt in Kleider aus Plastikmüll, Fischernetzen, Folien, Kabeln, Schrott.
Es sind die Kinder der Göttin Gaia, der Mutter Erde. Ausgezehrt von jahrzehntelanger Umweltzerstörung, hat Gaia ihre „Djinns“ losgeschickt, um die Menschen zu warnen: Die natürlichen Kreisläufe funktionieren bald nicht mehr. Die große Mutter, sie stirbt.

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„Die Prophezeiung“ heißt die zehnteilige Serie des Fotografen Fabrice Monteiro und des Modedesigners Doulsy, in der die beiden die Zerstörung afrikanischer Landschaften theatralisch inszenieren. Obwohl die Sequenzen surreal erscheinen, sind die Orte real. Sie zeigen authentische Szenerien aus dem Senegal. Orte, wo Menschen wohnen, Wasser holen, Gemüse anbauen. Jedem Foto ist ein aufwändiger Prozess des Sammelns vorausgegangen. Wissenschaftler und Aktivisten der Universität Dakar lieferten die Hintergründe, welche Orte im Senegal am schlimmsten vermüllt und zerstört sind. Fotograf Monteiro ent­wickelte dazu eine Bildgeschichte, Designer Doulsy suchte die Gegenden nach Material ab und erschuf daraus monströse Kostüme.

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„Jeder Schritt war eine Herausforderung“, sagte Monteiro dem Fernsehsender CNN. „Von der Herstellung der Kostüme bis zum eigentlichen Shooting war es ein aufwändiger Prozess. Jedes Bild wurde zu einer bestimmten Jahreszeit geschossen: Wenn Überschwemmungen oder Brandrodungen das Land zeichneten, wollten wir das abbilden.“

Entstanden ist eine fabelhafte Erzählung über Ozeanplastik, globale Erwärmung und Massenkonsum.
„Die Prophezeiung spricht zu den Herzen der Menschen, weil sie Fakten und Fiktion mischt“, sagt Fabrice Monteiro. „Durch das mystische Element können wir sie aufrütteln, sich zu verändern. Jetzt!“

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Fotograf Monteiro wuchs in den achtziger Jahren in Benin auf und lebte dann in Belgien. Als er vor einigen Jahren den Senegal bereiste, fand er ein zerstörtes Land vor. „Früher war Afrika sehr sauber. Es gab überhaupt keinen Müll. Heute kannst du an manchen Tagen nicht mehr ins Wasser gehen, weil es so unglaublich verschmutzt ist.“

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Am Strand der Hann-Bucht bei Dakar entsteigt ein mehrarmiges Monster den blutroten Fluten. Ein Schlachthaus leitet dort seine Abfälle ins Meer und macht die Küste zu einem Ort des Todes.

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In den Arbeiten des Foto­grafen zeigt sich sein eigener afrikanischer Hintergrund.
In Benin liegt die Geburtsstätte des Voodoo. Für seine Bilder greift Fabrice Monteiro den spiritistischen Glauben auf.