Die Ort Erfinder

20 Büro und Atelier sind genauso außergewöhnlich untergebracht, wie die Arbeiten des Kreativteams aussehen. Vom Einrichtungskonzept bis hin zum Designmöbel reicht das Repertoire des Duos. Dabei entsteht auch aus Altem erstklassiges Neues.

Wie wurden Sie beide zu den „orterfindern“?

Wir haben uns während des Architekturstudiums kennen gelernt – auf der Kreativebene hat es sofort gefunkt, die Chemie stimmte und wir beschlossen, künftig zusammenzuarbeiten. Als Duo ergänzen wir uns perfekt: Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gilt Teamwork. Wir entwerfen gemeinsam, kritisieren und motivieren uns gegenseitig. Der eine bevorzugt die gröberen, die andere die Detailarbeiten – ‚ergänzend fleißig‘ könnte man das nennen.

Was macht die „orterfinder“ und ihre Kreationen aus?

Zum einen die Symbiose aus Klarheit und Verspieltheit, sowohl bei Objekten als auch bei Räumen. Zum anderen das Zusammenspiel vom Material und Teamwork. Letzteres meint dabei sowohl uns beide als auch die Zusammenarbeit mit dem Kunden. Wir stülpen unsere Ideen nicht einfach jemandem über, sondern finden gemeinsam die beste Lösung.

Selbst das Gebäude Ihres heutigen Ateliers wurde einer neuen Nutzung zugeführt. Die Zweckentfremdung von Materialien scheint Sie besonders zu reizen?

Einer der Auslöser war unsere erste Ausstellung ‚Trashformation‘ 2012, Thema war Recycling und Upcycling zum Selber- und Nachbauen. Es gab wenig Zeit, aber viel Raum und noch mehr Ideen.
Wir experimentierten mit den Dingen, die uns im Alltag umgeben. Das Herauslösen aus dem gewohnten Kontext sorgt beim Betrachter wie auch bei uns immer wieder für Überraschungen. Dieses Schaffen von Spannungsmomenten macht nicht nur unglaublich viel Spaß, sondern fasziniert die Menschen.

Bei dieser Ausstellung haben Sie doch auch den ersten Kontakt mit dem Plattenkulturportal www.jeder-qm-du.de bekommen, oder?

Ja, eine Mitarbeiterin war bei der Ausstellung und suchte einen Tisch für den DIY-Strang der Kampagne – und fand ihn mit unserem ‚Baumkuchen‘. Später entwarfen wir weitere Stücke zum Nachbauen für JEDER M² DU. 2013 designten wir für das Portal den Messestand für das DMY International Design Festival Berlin. Dieser bestand aus Euro-Paletten, war in Form einer WBS-70-Wohnung gestaltet und war ein wahrer Publikumsmagnet. Und dafür gab es gleich zwei Preise.

Das Portal selbst mögen wir sehr, denn es inspiriert die Menschen, selbst Hand anzulegen oder eigene Ideen weiterzuentwickeln. Zumal so eine Website für eine Wohnungsbaugesellschaft auch ziemlich exotisch anmutet – ähnlich wie das bei vielen unserer Wohnobjekte ist.

Wie wichtig ist der Aspekt des Recyclings für Ihre Arbeit?

Im Fokus unserer Arbeit steht nicht das Recyceln – vielmehr geht es ganz einfach darum, ein Material anders zu verwenden. Unser Anspruch ist es, ein Produkt über die ästhetische Qualität hinaus zu entwickeln: Wir wollen überraschen, polarisieren, erfreuen. Dass uns das gelingt, sehen wir an den Reaktionen auf Messen und Ausstellungen und auch an der Resonanz, wenn uns jemand über unsere Website kontaktiert.

Ebenso gestaltet Ihr Team Räume – privat wie gewerblich.
Wie finden Sie die ideale Raumlösung?

Am Anfang stehen natürlich viele Fragen an den Kunden, dabei geht es darum, die Bedürfnisse und Wünsche herauszufiltern. Fast immer sind diese Wünsche widersprüchlich, weshalb wir den Kunden unterstützen, die eigenen Prioritäten zu erkennen. Während dieses Analyseprozesses stehen wir in ständigem Austausch mit unserem Kunden, wir nehmen ihn an die Hand und reagieren auf das gegebene Feed-back. Dabei ist es besonders wichtig, die Menschen zu inspirieren. Interessanterweise kommt am Ende dann oft ein ganz anderes Ergebnis heraus als gedacht. Ein Ergebnis, das überrascht und gleichzeitig Bedarf und Vorstellung des Kunden voll entspricht.

Haben Sie einen Tipp für Menschen mit zwei linken Händen?

Wir glauben eben nicht, dass es Menschen mit zwei linken Händen gibt. Jeder Mensch hat andere Vorlieben und Kenntnisse. Also sollte man einfach ausprobieren, experimentieren und vor allem – durchhalten. Wichtig ist es sicher auch, nicht allzu viel Selbstkritik bzw. Selbstzweifel zu haben. Wo man selbst einen Makel sieht, sehen andere oft etwas Makelloses oder Wunderschönes. Ein jeder sollte es einfach auf einen Versuch – oder eben zwei – ankommen lassen.

www.orterfinder.de

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