Der Zerstörer

Wenn es stimmt, dass Scherben Glück bringen, müsste Norbert Götsch der glücklichste Mann Deutschlands sein. Jeden Tag sorgt er dafür, dass aus mehreren hundert Tonnen Glas ein riesiger Haufen Scherben wird. Der 54-Jährige ist Platzmeister in der Glassortieranlage Velten und ist dafür verantwortlich, dass die gesammelten Flaschen und Gläser aus Berlin und Brandenburg vom Laster auf die richtige Sammelstelle abgekippt werden.

Wenn ein Lkw durch die Einfahrt an das Containerhäuschen fährt, weiß Götsch nach 13 Jahren Berufserfahrung sofort, ob auf dessen Ladefläche vor­rangig gute oder schlechte Glasqualität lagert. Gut heißt: sorgfältig getrennt, wie es in den öffentlichen Iglus gesammelt wird. Schlecht heißt: Grünes, braunes, weißes Glas und andere Abfälle sind bunt gemischt. Solches Glas kommt häufig direkt aus Berliner Haushalten. In der anonymen Großstadt würde ein Nachbar nicht dem anderen in die Tonne gucken, sagt Götsch. Dann setzt er seine „Mickymäuse“ auf die Ohren, zieht seine warme Jacke an und lotst den Laster in die Ecke des Hofes, wo er hingehört: zu weiß, grün, braun, gut oder schlecht.

Doch die Fahrer laden bei dem Brandenburger nicht nur ihre Fracht, sondern auch ihren Frust ab. „Die sitzen die ganze Zeit alleine in ihrer Kabine und machen sich nen Kopp“, sagt Norbert Götsch, „das landet dann auch bei mir.“ Scherben bringen eben doch nicht nur Glück, sondern immer auch ein paar Probleme.