Beste Reste

In Deutschland werden jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist so viel wie 275.000 Sattelschlepper voller Obst, Gemüse, Fleisch, Nudeln, Zucker und so weiter.
Hintereinandergestellt ergäbe das eine Sattelschlepper-Kolonne, die von Düsseldorf bis Lissabon reichte. 
Laut Umweltbundesamt sind für diese enorme Verschwendung nicht nur 
Landwirtschaft, Handel und Haushalte verantwortlich, sondern auch die Gastronomie.
14 Prozent aller Lebensmittelabfälle werden von ihr verursacht. Aber es geht auch anders.
Die ersten Gastronomen denken um und wollen in ihren Restaurants restlos verwöhnen.

Eine Auswahl:

WAS BLEIBT

„Restlos Glücklich“ ist eine Idee, die im Berliner Social Impact Lab geboren wurde: ein Restaurant, in dem ausschließlich mit Lebensmitteln gekocht wird, die vor dem Müll gerettet wurden. „Wir sind der Überzeugung, dass wir unseren Sinnen besser vertrauen können als dem Haltbarkeitsdatum und dass Lebensmittel als Mittel zum Leben wieder mehr Wertschätzung verdienen“, findet das siebenköpfige Team des Non-Profit-Restaurants.

www.restlos-gluecklich.berlin

Lebensmittelretter-Restaurants gibt es mittlerweile in ganz Europa: In Amsterdam kocht die 26-jährige Selma Seddik im „Instock“ mit geretteten Lebensmitteln. In Kopenhagen kocht eine Gruppe Ehrenamtlicher mit Flüchtlingen im „Rub&Stub“. In Wien hat der Koch und Aktivist David Groß „Wastecooking“ von einer Kunstaktion zu einer Bewegung gemacht.

OHNE ALLES

Das Silo ist ein Zero-Waste-Restaurant im britischen Brighton. In einer ehemaligen Lagerhalle probiert der Koch Douglas McMaster ein „vorindustrielles Lebensmittelsystem aus“ – ohne steril verpackte Nahrungsmittel und ohne dabei Abfälle zu produzieren. Die Zutaten kommen direkt vom Erzeuger oder aus der eigenen Küche: eigener Essig, eigener Jogurt, eigene Schokolade. So holt er sich keine Plastikverpackungen ins Haus. Die organischen Reste werden in einem
eigenen Kompostiergerät verwertet und an Interessierte verschenkt. „Es geht darum, Recycling bei so vielen Leuten wie möglich zu fördern“, sagt McMaster.

www.silobrighton.com

DURCHSICHT

„Wären Mülltonnen durchsichtig, dann würden die Menschen weniger wegwerfen“, glaubt der Küchenchef des Neuruppiner Seehotels Resort Mark Brandenburg. Deswegen stellte er in der Küche vier durchsichtige Behälter auf: Im ersten landeten Vorräte, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, im zweiten Produktionsabfälle wie Kartoffelschalen oder Blumenkohl­strünke, im dritten die Buffetreste und im vierten das, was die Gäste auf den Tellern gelassen haben. Seine Erkenntnis: In allen vier Tonnen reduzierte sich der Müll.

www.resort-mark-brandenburg.de

DENKEN INNERHALB DER BOX

Das „Doggy-Bag“ wird wieder salonfähig. In der ganzen Bundesrepublik wurden im Frühjahr 15.000 kompostierbare „Beste-Reste-Boxen“ an Restaurants verteilt, in denen Gäste ihre Essensreste mit nachhause nehmen können. Dahinter steckt Greentable, eine Plattform für nachhaltige Restaurants, und die Initiative „Zu gut für die Tonne“ der Bundesregierung. Welche Restaurants sich an der Aktion beteiligen, lässt sich auf der Website nachlesen.

www.greentable.de/restlos-geniessen

Illustration Juliane Filep