Wie war Ihr Tag, Mister Jagger?

Ein Blick in die Mülltonne ist wie ein Blick in das Leben.
Bei Prominenten kann das entlarvend sein. Eine Autopsie.

Wenn die Künstler Bruno Mouron und Pascal Rostain in eine Mülltonne schauen, dann ist das für sie wie eine Autopsie. Dort, im privaten Dunkel der Tonne, häuft sich an, was uns jeden Tag begleitet, uns versorgt, schließlich nervt und uns überdrüssig wird. Es zu durchforsten, ist, wie in den toten Resten das Leben zu erkennenBegonnen haben die beiden Franzosen bereits im Jahr 1988. „Es war eigent­lich nur ein Witz“, sagen sie. Damals durchwühlten sie die Müll­eimer des Chanson-Sängers Serge Gainsbourg vor seinem Haus im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Prés, schleppten den Abfall in ihr Atelier und drapierten ihn geschmackvoll auf schwarzem Samt. Was herauskam, war wie eine Karikatur des Alltags von Gainsbourg. Dieser amüsierte sich.

Die Fotografen aber trieb es weiter, sie begannen sich damit zu beschäftigen, welches Porträt sich über Abfall von Menschen und Gesellschaften zeichnen lässt. Entstanden ist über die Jahre eine faszinierende Serie von Stillleben, die das sorgfältig inszenierte Plastikleben von Superstars wie Madonna oder Mick Jagger mit deren sorgfältig inszenierten Plastikverpackungen kontrastiert.

Im Bildband „Autopsie“ sezieren Mouron und Rostain, dass David Hasselhoff seine eigene Auto­grammkarte wegschmeißt, Antonio Banderas seine Unterhose nicht mehr benötigt und Madonna auch mal Hamburger isst. Sosehr die Fotografen sich selbst als „Archäologen des Alltags“ be­zeichnen, ihre Arbeit als „soziolo­-­gische Forschung“ begreifen – am Ende befriedigen ihre Bilder aber auch einen Voyeurismus, der sich vor diesen Schaukästen des Überlebten auch nur schwer unterdrücken lässt.

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