3 Fragen an Alexander Piutti und Raphael Fellmer

Gründer von SirPlus,
einem Supermarkt für gerettete Lebensmittel

Raphael, jährlich wird in Deutschland rund die Hälfte aller Lebensmittel verschwendet, das entspricht etwa einem Lkw pro Minute. Wie kann das sein?
Das beginnt bereits auf dem Feld, wo viele Lebensmittel gar nicht geerntet
werden, weil sie zu groß, zu klein, verformt oder „besonders“ gewachsen sind. Dann werden Lebensmittel aussortiert, weil sie während des Transports ver­schimmelt sind. Und der Einzelhandel sortiert Obst, Gemüse und Backwaren aus, wenn sie nicht mehr so frisch sind. Aber auch viele Konsumenten kennen den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum nicht. Sie schmeißen Lebensmittel nach abgelaufenem MHD einfach weg, ohne die Verpackung überhaupt zu öffnen und ihre Sinne einzusetzen.

Alexander, SirPlus ist ein Supermarkt in Berlin, der gerettete Lebensmittel anbietet. Wie funktioniert das Konzept?
Mit SirPlus retten wir zusammen mit Akteuren der Lebensmittelindustrie große Mengen überschüssiger, der Norm nicht entsprechender und abge­laufener Lebensmittel bei Landwirten, Produzenten, Logistikern, Groß- und Einzelhändlern und bringen sie verantwortungsvoll in den Kreislauf zurück. Die Lebensmittel werden dabei von SirPlus bis zu 70 Prozent günstiger an Privatkunden und Firmen verkauft: in unserem Berliner Laden oder über den Online-Shop mit deutschlandweiter Lieferung.

Raphael, du selbst hast viele Jahre ohne Geld gelebt und dein Essen aus Supermarktmüll containert. Daraus ist eine unkommerzielle Foodsharing-Bewegung entstanden. Passt ein Supermarkt noch zur Idee des Teilens?
Bei Foodsharing ging es immer darum, möglichst viele Lebensmittel zu retten. Seit 2012 haben zehntausende Freiwillige 9.000 Tonnen Lebensmittel gerettet. Es werden aber jedes Jahr 20 Millionen Tonnen verschwendet. Wir brauchen also eine Lösung, die skalierbar ist. Wilmersdorfer Straße 59, 10627 Berlin www.sirplus.de